Dienstag, 21. Juli 2026

Kapitel 2

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"Die letzten 30 Jahre im Rückblick"

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Kapitel 2  |  Die erste urkundliche Erwähnung 1011 – Die Keimzelle der Neustadt entsteht

Wochenende 2 | 4./5. Juli 2026

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Im Jahr 1011 wird auf der sandigen Anhöhe am Fernweg eine erste einfache Stiftskirche errichtet. Das ist der Moment, ab dem wir sicher wissen: Hier entsteht etwas Dauerhaftes.

Aber was genau entsteht da? Kein Dorf im heutigen Sinne. Eher eine kleine Gemeinschaft rund um die Kirche – Geistliche, Handwerker, Bauern. Sie leben zusammen, bewirtschaften das Land, beten, arbeiten.

Was das mit heute zu tun hat? Eine Raumkante begrenzt eine Fläche in der Stadt. Die Straße, die heute „Johannisfreiheit“ heißt, verläuft genau entlang der Grenze dieser ersten Siedlungsfläche. Sie ist nach aktuellem Forschungsstand die älteste noch erkennbare Raumkante in Osnabrück – mindestens 500 Jahre älter als der Marktplatz in der Altstadt.

Typisch für Siedlungen dieser Zeit: Die Kirche steht im Mittelpunkt, und um sie herum bildet sich eine kreis- oder ellipsenförmige Fläche. Ein Schutzring. Innerhalb dieses Rings: Lebensraum, Gärten, Wege. Außerhalb: Felder, Sümpfe, der Fernweg.

Darstellung: Klaus Meinert

Das Stift St. Johann

Dunkelgrün:

Siedlungsfläche, mit den heute noch vorhandenen Fundamenten der ersten Stiftskirche

Braune Linie:

Die heutige Wegeverbindung Johannisfreiheit

Braun gestrichelt:

Aus archäologischen Untersuchungen abgeleitete Verlängerung der Siedlungsbegrenzung

Schwarze Kreuze:

Erster Friedhof (archäologisch nachgewiesen)

Westlich der Kirche, also dort wo heute die Johannisstraße verläuft, erstreckte sich nach Einschätzung des ehemaligen Leiters der Stadtarchäologie Bodo Zehm ein weiträumiger, platzartiger Raum. Kein enger Weg, sondern eine offene Fläche – vergleichbar mit dem, was man heute einen Kirchplatz nennen würde.

Archäologische Funde bestätigen dieses Bild: Unter dem heutigen Westwerk der Johanniskirche wurden 43 Gräber freigelegt – auf einer Fläche von nur 20 Quadratmetern, in einer 1,3 Meter starken Schicht. Die ältesten Bestattungen reichen möglicherweise noch vor die Kirchengründung zurück.

Nach Süden hin war die Siedlung wahrscheinlich durch eine künstliche Befestigung geschützt. Im Norden, Westen und Osten übernahmen die feuchten Niederungen diese Aufgabe. Im Osten war das der Riedenbach. Den sieht man heute nur noch am Schölerberg, dann verschwindet er in der Kanalisation. Lange Zeit war er bis in die Stadt hinein sichtbar. Ungefähr dort, wo heute noch die Neue Mühle steht, floss er in die Hase.

Diese erste Siedlungsfläche – Kirche, Friedhof, Schutzring – ist der Ursprung von allem, was danach kommt. Und ihre Grenze ist bis heute im Stadtbild ablesbar: Als leicht geschwungene Linie, die wir heute Johannisfreiheit nennen.

Frage zum Nachdenken:

Wusstest Du, dass die Johannisfreiheit 500 Jahre älter ist als der Marktplatz in der Altstadt? Stell Dir das bunte Treiben auf dem Platz bei der Stiftgründung vor. Wo anders in Osnabrück ist eine solche Vergangenheit heute im Stadtbild noch so nah? Sprich darüber – mit Freunden, mit Familie, mit Kandidatinnen und Kandidaten vor der Wahl.

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Nächste Woche: Um 1240 – Eine neue Stadt wächst - und wird größer als Du denkst

Mitmachen: Rund um die Johannisfreiheit passiert gerade einiges. Informier Dich – und mach mit: www.openpetition.de/!hcyhc

Was wir verlieren werden - wenn wir es nicht schützen

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