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Kapitel 5 | 1633 – Ein Beweis:
600 Jahre nach der Stiftsgründung dokumentiert
Wochenende 5 | 25./26. Juli 2026
Manchmal
muss man innehalten und zurückschauen, um zu verstehen, was man eigentlich
schon weiß.
Im Jahr
1011 wurde das Stift St. Johann gegründet. Aus den archäologischen Funden und
vergleichbaren Ansiedlungen zu der Zeit haben wir abgeleitet, dass es eine
kreisförmige Siedlungsfläche rund um die Kirche gegeben haben muss. Karten aus
der Gründungszeit, die das belegen, gibt es nicht. Aber später entstehen
Karten. Aus dem Jahr 1633 – mitten im Dreißigjährigen Krieg – kennen wir gleich
zwei Karten von Osnabrück.
Die eine Karte
ist der sogenannte Schwedenplan von Knyphausen: Eine nüchterne, kartographisch
präzise Zeichnung, angefertigt von schwedischen Truppen, die von außerhalb der
Stadt auf sie blickten. Ihr Interesse war militärisch – sie wollten wissen, wo
Mauern, Wege und freie Flächen verlaufen.
Die andere
stammt von Wenzel Hollar: Eine künstlerische, beinahe prunkvolle Vogelschau,
die einen möglichst beeindruckenden Gesamteindruck der Stadt vermitteln sollte.
Im letzten Kapitel haben wir einen kleinen Ausschnitt aus einem Nachdruck, das Neustädter
Rathaus, bereits gesehen.
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Der „Schwedenplan von Knyphausen,
1633. Das Original liegt im „Riksarkivet“ in Stockholm. Denn er wurde im
Dreißigjährigen Krieg von den Schweden angefertigt. Aber eine Kopie des Planes liegt
im Landesarchiv mit der Signatur NLA OS, K, 62a Nr. 107 H. Der Bildausschnitt
zeigt die Johannisfreiheit |
Die Ansicht von Wenzel Hollar
aus dem Jahr 1633. Sie liegt im Landesarchiv mit der Signatur NLA OS, K 062a
Nr 006H. Die Gebäudedarstellungen sind darin stark idealisiert. Sie
entsprechen nicht der Realität. Dennoch findet man wichtige Eckpunkte aus dem
Schwedenplan auch hier wieder. Hier der Blick auf die Johannisfreiheit von
Osten. |
Zwei völlig verschiedene Absichten – aber fast derselbe Blickwinkel.
Beide Zeichner standen im Osten und blickten auf die Stadt. Und beide haben,
jeder auf seine Weise, denselben Ort festgehalten.
Um
die Johanniskirche herum zeigen beide Karten eine viertelkreisförmige Fläche,
klar abgetrennt durch eine Mauer. Von der ersten Siedlungsfläche hat ein
Viertel die Zeit überdauert. Sie ist zu einem Friedhof geworden und damit zu
einem Ruheraum, geschützt durch die Mauer.
Das ist nun
keine Vermutung mehr. Das ist ein Beleg.
Und es
gibt noch mehr zu entdecken. Jenseits der Mauer ist eine große
Stadt mit einem Wegenetz entstanden. Unterhalb der Kirche zeigen beide Karten
einen rechteckigen Platz auf den Wege zulaufen. Diesen Platz haben die Bürger
jener Zeit östlich der Kirche neu angelegt. Damit haben sie die Reste der
ursprünglichen Siedlungsfläche südlich der Kirche bewusst oder unbewusst als
Ruheraum geschützt.
Die Stadt
ist 600 Jahre lang gewachsen. Ihr Wachstum war begrenzt durch die Stadtmauern. Aber der alte Ruheraum südlich der Kirche wurde nicht angetastet.
Er war etwas Besonderes. Man hat um ihn herumgebaut – nicht in ihn hinein.
Was
das bedeutet: Die Menschen haben über Jahrhunderte den Ort respektiert, aus dem
heraus sich ihre Stadt entwickelt hat.
Dieser
Zustand – Ruheraum innen, Wachstum außen – bleibt für weitere gut 200 Jahre so
bestehen, wie er 1633 festgehalten wurde. Erst im 19. Jahrhundert, mit dem Bau
der städtischen Kanalisation, beginnt sich das zu verändern. Aber das ist eine
andere Geschichte – sie beginnt im nächsten Kapitel.
Frage zum Nachdenken:
Ein Ort wurde so viele Jahrhunderte respektiert – aus Rücksicht auf das,
was dort war. Was sagt es über uns, wenn eine Grenze, die so lange gehalten
hat, heute innerhalb weniger Jahre ihren Charakter verlieren könnte?
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Nächste Woche: 1633–1800 – Was Karten sonst noch
erzählen – und was sie verschweigen
💬 Mitmachen: Rund um die Johannisfreiheit passiert
gerade einiges. Informier Dich – und mach mit: www.openpetition.de/!hcyhc
