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"Die letzten 30 Jahre im Rückblick"
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Kapitel 4 | 1307/1348 – Zwei
Städte und ein selbstbewusstes Rathaus
Wochenende 4 | 18./19. Juli 2026
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Im März 1307 beschließen Altstadt und Neustadt, gemeinsam aufzutreten. Sie
bilden einen gemeinsamen Rat. Das klingt nach einer Unterwerfung der kleineren
Neustadt – aber so einfach ist es nicht.
Denn die Neustadt behält weitreichende Rechte: Eine eigene innere
Verwaltung, eine eigene Einnahmestelle für Steuern und Abgaben, eine eigene
Gerichtsbarkeit für innere Angelegenheiten. Diese Eigenständigkeit wird sie bis
1813 mal mehr, mal weniger behalten. Schon 1312 führt sie wieder ein eigenes
Siegel. Die Vereinbarung von 1307 ist eher ein Bekenntnis, nach außen gemeinsam
aufzutreten – kein Aufgehen in der Altstadt.
Das Selbstbewusstsein der Neustadt
zeigt sich deutlich im Jahr 1348: Sie baut ein eigenes Rathaus – direkt auf der
Johannisfreiheit, auf kirchlichem Grund, mit ausdrücklicher Genehmigung der
Stiftsherren von St. Johann.
Beide Städte haben damit ein Rathaus. Aber das neue Rathaus der Neustadt
ist größer als das zeitgenössische der Altstadt. Es beherbergt Gericht,
Verwaltung und Handel unter einem Dach. Hier tagt der Neustädter Rat, hier
werden Steuern eingezogen, hier wird Tuch gehandelt – denn die Neustadt ist zu dieser
Zeit ein bedeutendes Zentrum der Wollweberei.
Schau auf
das Rathaus in der Abbildung von Wenzel Hollar. Es ist prunkvoll dargestellt.
Es steht für das Selbstbewusstsein der Bürger und für ein wirtschaftliches
Wachstum. Natürlich wissen wir nicht, ob es wirklich so ausgesehen hat. Aber
das, was wir heute sehen, ist trotz Kriegszerstörungen und Umbauten noch immer
ein großes stattliches Haus.
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Das
Neustädter Rathaus 1633 als idealisierte Darstellung. Die Darstellung sendet
als Botschaft: Dieses Rathaus ist imposant. Detail
im Plan von Wenzel Hollar, in der Version als kolorierter Nachdruck von 1993. |
Das Neustädter
Rathaus 2026. Noch immer raumprägend im Zentrum der Neustadt. Aus dieser
Perspektive ist das Ausmaß der Kriegsschäden gut zu erkennen. |
Die Urkunde zum Rathausbau ist bis heute erhalten. Sie
regelt penibel: Welcher Grund gehört der Stadt, welcher bleibt Kircheneigentum.
Sogar die Fenster werden vertraglich geregelt – zwei Fenster im Obergeschoss
durften nicht vollständig geöffnet werden, damit niemand Abfälle auf den Hof
des Propstes werfen konnte.
Kirche und Rathaus stehen nun auf der Johannisfreiheit. Sie begrenzen den
Ruheraum nach Norden und Süden. Der Friedhof liegt dazwischen. Dieser Ort –
Kirche, Rathaus, Kirchhof – ist das Herz der Neustadt. Und dieses Herz schlägt
bis heute: Das Neustädter Rathaus steht noch immer an der Ecke Johannisstraße/Johannisfreiheit
– gegenüber der Kirche. Das alte Rathaus der Altstadt gibt es nicht mehr. 1512
wurde ein neues gebaut.
Nach dem Zusammenschluss von Altstadt und Neustadt vereinbaren beide die
sogenannte 'Sate' – ihr gemeinsames Grundgesetz. Es ist im Stadtbuch von Osnabrück
eingetragen, das bereits seit 1297 geführt wird. Darin regeln sie, wie sie als
Partner miteinander umgehen: Gemeinsam nach außen, eigenständig nach innen.
Respekt füreinander. Stärke durch Zusammenhalt.
Klingt
das bekannt? Es ist eigentlich ein ziemlich modernes Konzept. Und dieses
Konzept lebt bis heute. Jedes Jahr treffen sich Persönlichkeiten aus Osnabrück
im Rathaus zum sogenannten Handgiftentag – sie reichen sich die Hände, so wie
sich Altstädter und Neustädter die Hände gereicht haben. Als Zeichen des
Respekts. Um an diesen Zusammenhalt zu erinnern. Denn gemeinsam ist man stärker.
Im 13. und
14. Jahrhundert steigt die Einwohnerzahl stark an. Durch Kriege und Epidemien geht
sie bis ins 17. Jahrhundert jedoch wieder zurück. Viele der Häuser, die für
1648 als „nachgewiesen“ gelten, sind bereits in den Gründungsjahren der Stadt
entstanden. Das sind Indizien dafür, dass die Situation aus dem 17. Jahrhundert
auch als Maßstab für das 14. Jahrhundert angenommen werden kann.
Ein Detail am
Rande: Es gibt nun auch eine Stadtbefestigung rund um die Neustadt.
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Im 14. Jahrhhundert wächst die Stadt rasant. Wir können
nicht sagen, welche Häuser wann entstehen. Wenn Du allerdings in die
Marienkirche gehst, dann wirst Du dort das Stadtmodell von 1648 sehen. Die
Häuser, die dort dargestellt sind, wurden wissenschaftlich nachgewiesen. Die
Darstellung links nutzt die gleiche Quelle. Hellgrau die Kurien, die nach der Stiftsauflösung und
mit dem Bau der heutigen Kirche beginnen zu entstehen. |
Frage zum Nachdenken:
Das Neustädter Rathaus steht seit fast 700 Jahren auf
der Johannisfreiheit – und ist bisher nicht Teil des Denkmalschutzes für die
Gesamtanlage. Warum nicht? Frag nach – bei Historikern, bei Politikerinnen und
Politikern, bei der Denkmalpflege.
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Nächste Woche: 1633 – Ein Beweis: 600 Jahre nach der Stiftsgründung
dokumentiert.
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Mitmachen: Rund um die Johannisfreiheit passiert gerade einiges.
Informier Dich – und mach mit: www.openpetition.de/!hcyhc