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Bebauungsplan? Nachzulesen nach dem "Klick" auf der rechten
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"Die letzten 30 Jahre im Rückblick"
Kapitel 11 | Was bleibt? Was
verlieren wir? Geht hin und schaut es Euch an! Ihr werdet etwas entdecken: Ein
Rathaus mit zwei Gesichtern!
Wochenende
11 | 5./6. September 2026
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Zehn Wochen haben wir über die Geschichte der Johannisfreiheit geschrieben.
Heute gehen wir hin. Nicht in die Vergangenheit – sondern in die Gegenwart. Was
ist noch da? Was kann man noch sehen, fühlen, erleben?
Fang an der Kreuzung
Johannisfreiheit/Kollegienwall/Heinrich-Heine-Straße/Pottgraben an. Das ist
einer der beiden Hot-Spots an den Enden der Johannisfreiheit: Schülerinnen und
Schüler der Europaschule in der Pause, das Alando Palais, die Neue Mühle – heute
„The Mill". Laut, lebendig, urban. Und doch: Nur 120 Meter entfernt
beginnt eine andere Welt.
Geh die Johannisfreiheit entlang – nach Westen. Rechts und links: Das
Hospiz, Krankenhaus, Kindergärten, Kirche, Pflegeeinrichtungen, das
Kinderhospital, schmale Durchfahrt mit Natursteinpflaster, Bäume. Kein
Durchgangsverkehr. Stille. Mitten in der Innenstadt.
Das
ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis von tausend Jahren Geschichte – und einer
bewussten Entscheidung im Jahr 2002. Dieser Weg war immer ein Weg der Ruhe. Und
er ist es heute wieder.
Am westlichen Ende: Das Neustädter Rathaus. Fast 700 Jahre alt. Heute mit
Gastronomie, einem kleinen Platz, Tischen im Freien. Gegenüber: Die
Johanniskirche. Zusammen bilden sie das Herz der Neustadt – so wie seit dem 14.
Jahrhundert.
Bleib hier stehen. Denn genau an dieser Stelle triffst Du auf etwas, das Du
auf deinem ganzen Weg noch nicht gesehen hast.
Es begann mit einem Weg … – so haben wir diese Serie
begonnen. … und vielleicht einem unscheinbaren Abzweig nach Osten, zur Hase.
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Foto: Dr. Eva Berger |
Du bist diesen Abzweig jetzt in Gedanken zurückgegangen –
von der Hase im Osten bis hierher, an sein westliches Ende, dem zweiten Hotspot
der Johannisfreiheit. Hier bist Du zurück am alten Fernweg, der seit
Jahrtausenden Handel von südlich der Alpen bis nach Skandinavien trug – bis
heute im Stadtbild lesbar. Er hieß später die „Große Straße", heute
Johannisstraße.
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Blick in die Johannisstraße von Norden, vor 1905, NLA
OS, Lichtenbergarchiv |
Ansicht 2026, M. Meinert |
Schau Dir das historische Foto an. Der Blick geht von
Norden, an der Johanniskirche vorbei, in die Johannisstraße hinein.
Straßenbahnschienen, eine Pferdekutsche, dichtes städtisches Leben. Genau hier,
an dieser Stelle, lag vor 1.000 Jahren der Keim der ersten Ansiedlung – dort,
wo der Fernweg vom Schölerberg herunterkam und die letzte Anhöhe vor den
Bachniederungen traf.
Schon früh, bevor 1348 das Neustädter Rathaus gebaut wurde, standen entlang
der Johannisstraße Marktstände. Das ist urkundlich belegt. Die Straße war nicht
nur Verkehrsweg – sie war auch Handelsplatz.
Direkt daneben – auf kirchlichem Grund, mit Genehmigung der Stiftsherren –
entstand das Neustädter Rathaus. Und wer heute genau hinschaut, erkennt: Das
Gebäude selbst trägt diese doppelte Geschichte noch immer in seiner
Architektur.
Zur Johannisstraße hin springt ein Kranerker aus der Fassade – ein
steinernes Zeugnis dafür, dass hier über Jahrhunderte schwere Waren gehoben und
gehandelt wurden. Der Fernweg, der Handel, der Verkehr: Dem wendet sich diese
Seite des Rathauses zu.
Auf der anderen Seite, zur Johannisfreiheit hin – zu dem Weg, den Du gerade
entlanggegangen bist – ist es seit jeher anders: Dort, wo heute wie früher der
kirchliche Grund und Ruheraum beginnt, sitzen Menschen in der Außengastronomie
des Rathauses. Sie blicken dabei auf das Kinderhospital – dorthin, wo Ruhe und
Erholung besonders gebraucht werden. Ruhe statt Handel. Verweilen statt
Vorbeifahren. Schon in der Urkunde zum Rathausbau wurden Fassadengestaltung und
Fenstergrößen genau festgelegt. Der Propst von St. Johann, der dem Rathaus
gegenüber lebte, ließ urkundlich festhalten, dass von dort keine ruhestörenden
Eingriffe in seine Umgebung ausgehen dürfen.
Vergleiche jetzt das aktuelle Farbfoto mit dem historischen: Dieselbe Ecke,
derselbe Blick. Das alte Winterbild zeigt kahle Bäume, das aktuelle
Frühlingsfoto ein leuchtendes Grün, das zur Johannisfreiheit hin immer dichter
wird.
Genau
von dort – von dem Weg, den Du gerade zurückgelegt hast – sollen künftig 730
Busse täglich in die Johannisstraße einbiegen. Aus einer Richtung kommend, aus
der es eigentlich nur ganz ruhig weiter Richtung Hase gehen sollte.
Sie
würden damit eine Grenze durchbrechen, die das Neustädter Rathaus seit 678
Jahren allein durch seine bauliche Gestaltung markiert.
Das zeigt auch das Logo, das sich die Historiker zu Beginn ihrer Proteste
Anfang 2025 gegeben haben. Es greift genau dieses Bild auf: Zwei Giebel, wie
die zwei Dächer des Rathauses. Auf der einen Seite ein Baum – der Ruhepol. Auf
der anderen Fußgänger und ein Fahrrad – der langsame, menschliche Verkehr. Und
dazwischen: der durchgestrichene Bus.
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Logo der Initiative „Keine
Bustrasse über die Johannisfreiheit“. Von Osnabrücker Historikern im
Januar 2025 initiiert und Startpunkt zahlreicher Proteste, die auch zu einer breit
angelegten Bürgerinitiative und Petition geführt haben. |
Was das Rathaus seit 1348 in Stein zeigt, was der
Schwedenplan 1633 als Mauer um den Friedhof festhält, was Reinholds Karte 1789
durch fehlende Hausnummern verrät – es ist immer dieselbe Geschichte: zwei
Seiten, zwei Aufgaben, sorgfältig geteilt. Handel hier. Ruhe dort.
Diese Teilung hat fast 700 Jahre gehalten.
Was ist verloren? Viel:
- Die Pfaffenstraße, die einst im Halbkreis um die Kirche führte – überbaut.
- Die Grünflächen und Obstwiesen des Waisenhauses nördlich der Kirche – bebaut.
- Die Kurien mit kunstvollen Barockgärten, der Martinshof – abgerissen.
- Die ursprüngliche Ausdehnung der Johannisfreiheit bis zur Hase – längst überbaut und versiegelt.
Und doch: Die Grundidee der
Bürgerinnen und Bürger – schon vor 1.000 Jahren entstanden, sich hier einen Ort
der Ruhe zu bewahren – ist noch immer da.
Diese Grundidee
ist kostbar. Und sie ist gefährdet. Der Ratsbeschluss vom Oktober 2024 sieht
vor, genau das, was von dieser Idee übrig geblieben ist – die Durchfahrt, das
Pflaster, die Bäume, die Stille – durch eine Bustrasse zu ersetzen.
Geh hin. Schau
es Dir an. Bevor Du am 13. September wählst! Denn dann kannst Du auch darüber
entscheiden, ob diejenigen, die die Johannisfreiheit schützen wollen, eine
starke Kraft im Rat werden.
Frage zum Nachdenken:
Was
wäre, wenn Du in zwanzig Jahren mit deinen Kindern oder Enkeln an der
Johannisfreiheit stehst – und dort 730 Busse am Tag fahren? Was würde Dir
fehlen? Und was hättest Du Dir gewünscht, dass jemand getan hätte?
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Nächste
Woche – Wahltag: Jetzt sind wir gespannt, was passiert.
💬 Mitmachen: Rund um die Johannisfreiheit passiert gerade einiges. Informier Dich – und mach mit: www.openpetition.de/!hcyhc