Freitag, 7. August 2026

Kapitel 7

 Und was steht im Bebauungsplan? Nachzulesen nach dem "Klick" auf der rechten Seite:

"Die letzten 30 Jahre im Rückblick"

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Kapitel 7  |  1860–1928 – Die Stadt plant. Und die Moderne kommt

Wochenende 7 | 8./9. August 2026

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Mitte des 19. Jahrhunderts verändert sich Osnabrück grundlegend. Die Stadtmauern werden abgetragen. Der Hauptbahnhof entsteht. Die Stadt wächst nach Osten. Und mit ihr wächst der Bedarf an Straßen, Kanälen, Infrastruktur.

1860 erstellt Stadtbaumeister Richard einen sogenannten Fluchtlinienplan – die erste mit wissenschaftlichen Methoden angefertigte Karte von Osnabrück. Es ist zugleich die letzte Karte, auf der die alten Strukturen der Johannisfreiheit fast vollständig erfasst sind. Das, was in den folgenden 30 bis 50 Jahren abgebrochen werden soll und das, was entstehen soll. Auf nur einer Karte.

Die Farben sind vergilbt. Alt und neu übereinander gezeichnet. Vielleicht verwirrt Euch die Abbildung. Aber wenn Ihr Interesse am Original habt. Sogar das Landesarchiv ist nicht weit entfernt von der Johannisfreiheit. Ihr müsst Euch anmelden, wenn Ihr den Plan sehen wollt.

Auschnitte von Plänen, beide von 1860: Links der Fluchtlinienplan, NLA OS K62a Nr. 516 / Rechts der Kanlisationsplan, NLA OS K62c Nr. 163H 


- links oben die Johanniskirche

- unten der heutige Kirchplatz mit seiner charakteristischen Rundung aus der Gründungszeit des Stifts

- rechts oben der geomotrisch im Stadtbild gewachsene Platz

Was die Pläne zeigen: Der Weg südlich der Johanniskirche ist noch immer ein schmaler Fußweg. Er führt entlang des ehemaligen Friedhofs und mündet in eine große Freifläche östlich der Kirche – eine Promenade. So wie die Zeichnung von Friedrich G. Müller aus dem Jahr 1865.

Zeichnung von Friedrich G. Müller, Museumsquartier Osnabrück

Blick in die Johannisfreiheit 1865. Der Friedhof wurde einige Jahre zuvor aufgeben. Ein Fußweg führt nun zum ehemaligen Friedhof südlich der Kirche.

Ein schmaler Durchgang zwischen dem damals entstehenden Marienhospital und der Kirche – wie heute

Die Zeichnung zeigt diesen Platz: Offen, mit Bäumen, einladend. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde er bereits angelegt, als die heutige Kirche 1254 den Vorgängerbau ersetzte. Wozu dieser Platz genau diente, wissen wir nicht mehr.

·         War er Marktplatz? Dafür spricht die Nähe zur Neuen Mühle.

·         War er ein Versammlungs- oder Veranstaltungsort? Vielleicht auch für einen Weihnachtsmarkt?

·         War er eine Promenade für die Würdenträger aus den naheliegenden Kurien? Wie schön diese Kurien gewesen sein müssen, zeigt die Zeichnung des prunkvollen Gartens der Lippeschen Kurie.

Eine Zeichnung des Gartens der Lippeschen Kurie. Auf diesem Grundstück spielen heute die Kinder in der Kita der Niels-Stensen Kliniken. Direkt neben der geplanten Bustrasse für 730 Busse.

Das Original liegt im Landesarchiv in Münster

Sicher ist, der Platz östlich der Kirche hat sich an den gewachsenen städtischen Raumkanten orientiert. Denn er hat fast gerade Kanten. Er hebt sich damit von der natürlichen ursprünglichen Rundung aus der Gründungszeit des Stifts ab, die den Ruheraum und ehemaligen Friedhof südlich der Kirche bis heute umschließt.

Und es wurde immer darauf geachtet, dass dieser Platz bestehen bleibt. Sogar heute ist er trotz der hier endenden Straße sichtbar. Wenn Ihr genau hinschaut: Die Gebäude des Krankenhauses sind entlang der Raumkanten des früheren Platzes versetzt. Auf einer Ecke des Platzes steht als flacher Anbau das alte Pförtnerhäuschen.

Doch dann kommt der Kanalbau. Die Stadt braucht Platz für die neue Kanalisation. Das Stift St. Johann, dem der Weg seit der Stadtgründung gehört, wehrt sich zunächst. Am Ende wird der Abschnitt einvernehmlich verkauft. Was 850 Jahre lang Kircheneigentum und Ruheraum war, wird in vielen Einzelschritten über Jahrzehnte zur öffentlichen Durchgangsstraße.

1903 wird die Hasebrücke gebaut. Die Johannisfreiheit öffnet sich nach Osten. Was bisher eine Sackgasse war, wird zur Durchfahrt zwischen Johanniskirche und Hauptbahnhof. Aber erst 1928 entsteht mit dem Ausbau und dem Durchstich der Süsterstraße eine Durchfahrt durch die gesamte Innenstadt. Mit einer großen Kreuzung südlich der Kirche. Die Johannisfreiheit wird zur Ost-West-Achse.

Nach 900 Jahren als Rundweg am Kirchhof ist eine Durchgangsstraße entstanden. Gleichzeitig beginnt der schrittweise Verlust der historischen Bebauung. Gärten werden versiegelt. Kurien werden abgerissen oder umgebaut und bekommen Hausnummern. Der ländliche Charakter der Johannisfreiheit verschwindet – Stück für Stück.

Eine Hausnummer klingt nach Verwaltung. Aber sie ist mehr: Sie bedeutet, dass der Ort steuerpflichtig ist. Was einmal kirchliche Freiheit war – und deshalb in Reinholds Karten keine Nummer hatte – wird jetzt normales Stadtgebiet. Die Johannisfreiheit verliert nicht nur ihr Grün. Sie verliert ihren Sonderstatus.

Und der Martinshof? Der Bischof ist längst ausgezogen. Der Hof verfällt im 19. Jahrhundert und wird abgerissen – um Platz für ein Schulgebäude zu machen. Heute stehen dort die Berufsbildenden Schulen der Stadt Osnabrück, die Europaschule am Pottgraben. Vom Bischofssitz zur Schule. Vom Grün zum Beton.

Frage zum Nachdenken:

Kein Fortschritt ist Rückschritt. Wir müssen uns weiterentwickeln. Aber Fortschritt darf Kompromisse machen. Darf Besonderheiten schützen. Welche Kompromisse sind vertretbar – und welche gehen zu weit? Darüber lässt sich gut mit Kandidatinnen und Kandidaten reden.

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Nächste Woche: 1928–2002 – Fehler, Korrekturen – sie erinnern an die Dielinger Straße.

💬  Mitmachen: Rund um die Johannisfreiheit passiert gerade einiges. Informier Dich – und mach mit: www.openpetition.de/!hcyhc

Was wir verlieren werden - wenn wir es nicht schützen

Kapitel 11

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