Und was steht im Bebauungsplan? Nachzulesen nach dem "Klick" auf der rechten Seite:
"Die letzten 30 Jahre im Rückblick"
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Kapitel 7 | 1860–1928 – Die Stadt plant. Und die Moderne kommt
Wochenende
7 | 8./9. August 2026
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Mitte des 19. Jahrhunderts verändert sich Osnabrück grundlegend. Die
Stadtmauern werden abgetragen. Der Hauptbahnhof entsteht. Die Stadt wächst nach
Osten. Und mit ihr wächst der Bedarf an Straßen, Kanälen, Infrastruktur.
1860
erstellt Stadtbaumeister Richard einen sogenannten Fluchtlinienplan – die erste
mit wissenschaftlichen Methoden angefertigte Karte von Osnabrück. Es ist
zugleich die letzte Karte, auf der die alten Strukturen der Johannisfreiheit fast
vollständig erfasst sind. Das, was in den folgenden 30 bis 50 Jahren
abgebrochen werden soll und das, was entstehen soll. Auf nur einer Karte.
Die Farben sind vergilbt. Alt und neu übereinander gezeichnet. Vielleicht
verwirrt Euch die Abbildung. Aber wenn Ihr Interesse am Original habt. Sogar
das Landesarchiv ist nicht weit entfernt von der Johannisfreiheit. Ihr müsst
Euch anmelden, wenn Ihr den Plan sehen wollt.
Auschnitte von Plänen, beide von 1860: Links der Fluchtlinienplan, NLA OS K62a Nr. 516 / Rechts der Kanlisationsplan, NLA OS K62c Nr. 163H
- links oben die Johanniskirche
- unten der heutige Kirchplatz mit seiner charakteristischen Rundung aus der Gründungszeit des Stifts
- rechts oben der geomotrisch im Stadtbild gewachsene Platz
Was die Pläne zeigen: Der Weg südlich der Johanniskirche ist noch
immer ein schmaler Fußweg. Er führt entlang des ehemaligen Friedhofs und mündet
in eine große Freifläche östlich der Kirche – eine Promenade. So wie die Zeichnung
von Friedrich G. Müller aus dem Jahr 1865.
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Zeichnung von
Friedrich G. Müller, Museumsquartier Osnabrück |
Blick in die
Johannisfreiheit 1865. Der Friedhof wurde einige Jahre zuvor aufgeben. Ein
Fußweg führt nun zum ehemaligen Friedhof südlich der Kirche. Ein schmaler Durchgang
zwischen dem damals entstehenden Marienhospital und der Kirche – wie heute |
Die Zeichnung zeigt diesen Platz: Offen, mit Bäumen, einladend. Mit großer
Wahrscheinlichkeit wurde er bereits angelegt, als die heutige Kirche 1254 den
Vorgängerbau ersetzte. Wozu dieser Platz genau diente, wissen wir nicht mehr.
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War er Marktplatz? Dafür spricht die Nähe zur Neuen Mühle.
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War er ein Versammlungs- oder Veranstaltungsort? Vielleicht
auch für einen Weihnachtsmarkt?
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War er eine Promenade für die Würdenträger aus den
naheliegenden Kurien? Wie schön diese Kurien gewesen sein müssen, zeigt die Zeichnung
des prunkvollen Gartens der Lippeschen Kurie.
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Eine Zeichnung des
Gartens der Lippeschen Kurie. Auf diesem Grundstück spielen heute die Kinder in
der Kita der Niels-Stensen Kliniken. Direkt neben der geplanten Bustrasse für
730 Busse. Das Original liegt im Landesarchiv
in Münster |
Sicher ist, der Platz östlich der Kirche hat sich an den
gewachsenen städtischen Raumkanten orientiert. Denn er hat fast gerade Kanten. Er
hebt sich damit von der natürlichen ursprünglichen Rundung aus der
Gründungszeit des Stifts ab, die den Ruheraum und ehemaligen Friedhof südlich
der Kirche bis heute umschließt.
Und es wurde immer darauf geachtet, dass dieser Platz bestehen
bleibt. Sogar heute ist er trotz der hier endenden Straße sichtbar. Wenn Ihr
genau hinschaut: Die Gebäude des Krankenhauses sind entlang der Raumkanten des
früheren Platzes versetzt. Auf einer Ecke des Platzes steht als flacher Anbau das
alte Pförtnerhäuschen.
Doch dann kommt der Kanalbau. Die Stadt braucht Platz für
die neue Kanalisation. Das Stift St. Johann, dem der Weg seit der Stadtgründung
gehört, wehrt sich zunächst. Am Ende wird der Abschnitt einvernehmlich
verkauft. Was 850 Jahre lang Kircheneigentum und Ruheraum war, wird in vielen
Einzelschritten über Jahrzehnte zur öffentlichen Durchgangsstraße.
1903 wird die Hasebrücke gebaut. Die
Johannisfreiheit öffnet sich nach Osten. Was bisher eine Sackgasse war, wird
zur Durchfahrt zwischen Johanniskirche und Hauptbahnhof. Aber erst 1928
entsteht mit dem Ausbau und dem Durchstich der Süsterstraße eine Durchfahrt
durch die gesamte Innenstadt. Mit einer großen Kreuzung südlich der Kirche. Die
Johannisfreiheit wird zur Ost-West-Achse.
Nach 900 Jahren als Rundweg am Kirchhof ist eine Durchgangsstraße
entstanden. Gleichzeitig beginnt der schrittweise Verlust der historischen
Bebauung. Gärten werden versiegelt. Kurien werden abgerissen oder umgebaut und
bekommen Hausnummern. Der ländliche Charakter der Johannisfreiheit verschwindet
– Stück für Stück.
Eine Hausnummer klingt nach
Verwaltung. Aber sie ist mehr: Sie bedeutet, dass der Ort steuerpflichtig ist.
Was einmal kirchliche Freiheit war – und deshalb in Reinholds Karten keine
Nummer hatte – wird jetzt normales Stadtgebiet. Die Johannisfreiheit verliert
nicht nur ihr Grün. Sie verliert ihren Sonderstatus.
Und der Martinshof? Der Bischof ist längst ausgezogen. Der Hof verfällt im
19. Jahrhundert und wird abgerissen – um Platz für ein Schulgebäude zu machen.
Heute stehen dort die Berufsbildenden Schulen der Stadt Osnabrück, die
Europaschule am Pottgraben. Vom Bischofssitz zur Schule. Vom Grün zum Beton.
Frage
zum Nachdenken:
Kein
Fortschritt ist Rückschritt. Wir müssen uns weiterentwickeln. Aber Fortschritt
darf Kompromisse machen. Darf Besonderheiten schützen. Welche Kompromisse sind
vertretbar – und welche gehen zu weit? Darüber lässt sich gut mit Kandidatinnen
und Kandidaten reden.
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Nächste
Woche: 1928–2002 – Fehler, Korrekturen – sie erinnern an die Dielinger Straße.
💬 Mitmachen: Rund um die Johannisfreiheit passiert
gerade einiges. Informier Dich – und mach mit: www.openpetition.de/!hcyhc