Freitag, 14. August 2026

Kapitel 8

 

Und was steht im Bebauungsplan? Nachzulesen nach dem "Klick" auf der rechten Seite:
"Die letzten 30 Jahre im Rückblick"

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Kapitel 8  |  1928–2002 – Fehler, Korrekturen – sie erinnern an die Dielingerstraße

Wochenende 8 | 15./16. August 2026

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Mit dem Durchstich der Süsterstraße 1928 und dem Aufkommen des motorisierten Verkehrs wird die Johannisfreiheit zu einer Ost-West-Achse. Was 900 Jahre lang ein Rundweg am Kirchhof war, ist jetzt eine Durchgangsstraße. Dieser Zustand dauert – historisch betrachtet – nur wenige Jahrzehnte. Aber er prägt das Bild, das viele Menschen heute noch von der Johannisfreiheit haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Neustadt stark zerstört. Viele historische Gebäude sind verloren. Aber rund um die Johanniskirche gibt es noch zusammenhängende Reste des alten Charakters: Gärten nördlich der Kirche, Grünflächen in den Höfen des Marienhospitals, die Pfaffenstraße als historischer Straßenzug. Aber trotzdem wird vieles durch den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit verändert.

Die Johannisfreiheit 1955, zwischen Kriegszerstörung und Wiederaufbau. Auch wenn es ein schwarz-weiß-Foto ist. Ihr könnt die Bäume sehen. Und die Gärten. Erinnert Ihr Euch an den rechteckigen Platz? Den Ihr in den letzten Kapiteln kennengelernt habt? Er liegt östlich der Kirche, im Bild oberhalb von ihr. Deutlich seht Ihr die Gebäudeecke des Marienhospitals, die der Raumkante des Platzes folgt.

Was damals an der Johannisfreiheit passiert, ist kein Einzelfall. In ganz Osnabrück wird in dieser Zeit Stadtgeschichte geopfert – für das Leitbild der „autogerechten Stadt“. Das bekannteste Beispiel: Die Dielingerstraße.

1975 wird die Dielingerstraße – mitten im historischen Heger-Tor-Viertel – vierspurig ausgebaut. Dafür werden die historischen Häuser entlang der Straße bis zum Ende der Lortzingstraße abgerissen, um einen breiteren Straßenquerschnitt zu ermöglichen. Die Bevölkerung protestiert. Einzelne Häuser werden nur durch massiven Widerstand gerettet. Andere verschwinden für immer.

Heute gilt die Dielingerstraße als Ausnahme im ansonsten gut erhaltenen Heger-Tor-Viertel – als sichtbare Wunde. Sie zeugt von einem Leitbild der Verkehrs- und Stadtplanung, das sich am Auto orientierte und bereits wenige Jahrzehnte später als überholt galt. Die Neue Osnabrücker Zeitung schrieb 2024, die Altstadtsanierung jener Jahre habe „tiefe Wunden“ gerissen.

Für die Johannisfreiheit kommt die Wende 1994. Es wird ein neuer Bebauungsplan aufgestellt – für das Sanierungsgebiet Salzmarkt. Damit sollen Teile der weitläufigen alten Johannisfreiheit endgültig überbaut werden. Aber der Kernbereich rund um die Kirche soll wieder geschützt werden. Die Hauptzufahrt des Marienhospitals soll langfristig auf die Ostseite verlegt werden. Das schafft die Möglichkeit, die Straße Johannisfreiheit zu einer Durchfahrt zurückzubauen und verkehrsberuhigt auszugestalten – wieder.

2002 ist es so weit: Die Straße Johannisfreiheit wird neu gestaltet. Schmaler, begrünt, mit historisierendem Natursteinpflaster. Durchfahrtsverbot für den motorisierten Individualverkehr. Nur Einsatzfahrzeuge der Krankenhäuser und RadfahrerInnen dürfen noch durch. Das Neustädter Rathaus wird saniert und zu einem Ankerpunkt mit Gastronomie ausgebaut.

Die Johannisfreiheit wird in ihrem Kernbereich rund um die Kirche wieder zu dem, was sie fast 1.000 Jahre lang war: ein Ort der Ruhe, mitten in der Stadt. Dieser Zustand ist kein Zufall – er ist das Ergebnis eines langen Planungsprozesses und im Bebauungsplan B-73 rechtlich verankert.

Doch jetzt, 50 Jahre nach dem Ausbau der Dielingerstraße, droht der verkehrsberuhigten Zone Johannisfreiheit Ähnliches: Verbreiterung, Betonierung, Verkehr. Dieselbe Logik – ein anderer Ort.

Ein „Schmankerl“ am Rande: Das Eckgebäude Kleine Domsfreiheit 25 schräg gegenüber der Einmündung der Lortzingstraße wurde ursprünglich ganz woanders erbaut – nämlich an der Johannisstraße.

Die Altstädter haben nach dem Krieg ihre eigenen Häuser abgerissen, aber ein historisches Haus aus der Neustadt bei sich aufgebaut. Dort steht es heute unter Denkmalschutz – als Teil der Gruppe baulicher Anlagen „Dombereich“. Offenbar war es wertvoll genug, um erhalten zu werden – nur eben nicht an seinem ursprünglichen Standort. Für die Neustadt ist es verloren.

Das kulturelle Erbe der Neustadt wird nach und nach weggeknabbert. Jetzt ist man an seinem Kern angelangt, dem Kirchplatz und der unmittelbaren Umgebung der Johanniskirche.

Die Johannisstraße 19/20, NLA, Lichtenberg-Archiv

Wiederaufgebaut an der Kleinen Domsfreiheit 25

Frage zum Nachdenken:

Die Dielingerstraße gilt heute als Fehler der 1970er Jahre. Wer damals dagegen protestiert hat, wurde oft nicht gehört. Wie ist das heute an der Johannisfreiheit? Wer hört Dir zu – wenn Du fragst? Und wer gibt Antworten auf Deine Fragen?

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Nächste Woche: 2002–2024 – Was in 20 Jahren bereits verloren ging.

💬  Mitmachen: Rund um die Johannisfreiheit passiert gerade einiges. Informier Dich – und mach mit: www.openpetition.de/!hcyhc

Was wir verlieren werden - wenn wir es nicht schützen

Kapitel 11

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