Und was steht im
Bebauungsplan? Nachzulesen nach dem "Klick" auf der rechten
Seite:
"Die letzten 30 Jahre im Rückblick"
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Kapitel 8 | 1928–2002 –
Fehler, Korrekturen – sie erinnern an die Dielingerstraße
Wochenende
8 | 15./16. August 2026
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Mit dem
Durchstich der Süsterstraße 1928 und dem Aufkommen des motorisierten Verkehrs
wird die Johannisfreiheit zu einer Ost-West-Achse. Was 900 Jahre lang ein
Rundweg am Kirchhof war, ist jetzt eine Durchgangsstraße. Dieser Zustand dauert
– historisch betrachtet – nur wenige Jahrzehnte. Aber er prägt das Bild, das
viele Menschen heute noch von der Johannisfreiheit haben.
Nach dem Zweiten
Weltkrieg ist die Neustadt stark zerstört. Viele historische Gebäude sind
verloren. Aber rund um die Johanniskirche gibt es noch zusammenhängende Reste
des alten Charakters: Gärten nördlich der Kirche, Grünflächen in den Höfen des
Marienhospitals, die Pfaffenstraße als historischer Straßenzug. Aber trotzdem
wird vieles durch den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit verändert.
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Die
Johannisfreiheit 1955, zwischen Kriegszerstörung und Wiederaufbau. Auch wenn
es ein schwarz-weiß-Foto ist. Ihr könnt die Bäume sehen. Und die Gärten.
Erinnert Ihr Euch an den rechteckigen Platz? Den Ihr in den letzten Kapiteln
kennengelernt habt? Er liegt östlich der Kirche, im Bild oberhalb von ihr.
Deutlich seht Ihr die Gebäudeecke des Marienhospitals, die der Raumkante des
Platzes folgt. |
Was
damals an der Johannisfreiheit passiert, ist kein Einzelfall. In ganz Osnabrück
wird in dieser Zeit Stadtgeschichte geopfert – für das Leitbild der
„autogerechten Stadt“. Das bekannteste Beispiel: Die Dielingerstraße.
1975 wird die Dielingerstraße – mitten im historischen Heger-Tor-Viertel –
vierspurig ausgebaut. Dafür werden die historischen Häuser entlang der Straße
bis zum Ende der Lortzingstraße abgerissen, um einen breiteren
Straßenquerschnitt zu ermöglichen. Die Bevölkerung protestiert. Einzelne Häuser
werden nur durch massiven Widerstand gerettet. Andere verschwinden für immer.
Heute gilt die
Dielingerstraße als Ausnahme im ansonsten gut erhaltenen Heger-Tor-Viertel –
als sichtbare Wunde. Sie zeugt von einem Leitbild der Verkehrs- und
Stadtplanung, das sich am Auto orientierte und bereits wenige Jahrzehnte später
als überholt galt. Die Neue Osnabrücker Zeitung schrieb 2024, die
Altstadtsanierung jener Jahre habe „tiefe Wunden“ gerissen.
Für die Johannisfreiheit
kommt die Wende 1994. Es wird ein neuer Bebauungsplan aufgestellt – für das
Sanierungsgebiet Salzmarkt. Damit sollen Teile der weitläufigen alten Johannisfreiheit
endgültig überbaut werden. Aber der Kernbereich rund um die Kirche soll wieder
geschützt werden. Die Hauptzufahrt des Marienhospitals soll langfristig auf die
Ostseite verlegt werden. Das schafft die Möglichkeit, die Straße
Johannisfreiheit zu einer Durchfahrt zurückzubauen und verkehrsberuhigt auszugestalten
– wieder.
2002 ist es so
weit: Die Straße Johannisfreiheit wird neu gestaltet. Schmaler, begrünt, mit
historisierendem Natursteinpflaster. Durchfahrtsverbot für den motorisierten
Individualverkehr. Nur Einsatzfahrzeuge der Krankenhäuser und RadfahrerInnen
dürfen noch durch. Das Neustädter Rathaus wird saniert und zu einem Ankerpunkt
mit Gastronomie ausgebaut.
Die
Johannisfreiheit wird in ihrem Kernbereich rund um die Kirche wieder zu dem,
was sie fast 1.000 Jahre lang war: ein Ort der Ruhe, mitten in der Stadt.
Dieser Zustand ist kein Zufall – er ist das Ergebnis eines langen
Planungsprozesses und im Bebauungsplan B-73 rechtlich verankert.
Doch jetzt, 50 Jahre nach dem Ausbau der Dielingerstraße,
droht der verkehrsberuhigten Zone Johannisfreiheit Ähnliches: Verbreiterung,
Betonierung, Verkehr. Dieselbe Logik – ein anderer Ort.
Ein „Schmankerl“ am Rande: Das Eckgebäude Kleine
Domsfreiheit 25 schräg gegenüber der Einmündung der Lortzingstraße wurde ursprünglich
ganz woanders erbaut – nämlich an der Johannisstraße.
Die Altstädter haben nach dem Krieg ihre
eigenen Häuser abgerissen, aber ein historisches Haus aus der Neustadt bei sich
aufgebaut. Dort steht es heute unter Denkmalschutz – als Teil der Gruppe
baulicher Anlagen „Dombereich“. Offenbar war es wertvoll genug, um erhalten zu
werden – nur eben nicht an seinem ursprünglichen Standort. Für die Neustadt ist
es verloren.
Das kulturelle Erbe der Neustadt wird nach und nach
weggeknabbert. Jetzt ist man an seinem Kern angelangt, dem Kirchplatz und der unmittelbaren
Umgebung der Johanniskirche.
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Die Johannisstraße 19/20, NLA, Lichtenberg-Archiv |
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Frage
zum Nachdenken:
Die
Dielingerstraße gilt heute als Fehler der 1970er Jahre. Wer damals dagegen
protestiert hat, wurde oft nicht gehört. Wie ist das heute an der
Johannisfreiheit? Wer hört Dir zu – wenn Du fragst? Und wer gibt Antworten auf
Deine Fragen?
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Nächste
Woche: 2002–2024 – Was in 20 Jahren bereits verloren ging.
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gerade einiges. Informier Dich – und mach mit: www.openpetition.de/!hcyhc