Dienstag, 21. Juli 2026

Kapitel 3

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"Die letzten 30 Jahre im Rückblick"

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Kapitel 3  |  1240–1272 – Eine neue Stadt wächst - und wird größer als Du denkst

Wochenende 3 | 11./12. Juli 2026

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Rund 200 Jahre nach der Stiftsgründung passiert etwas Entscheidendes: Die Siedlung rund um St. Johann wird zu einer richtigen Stadt. Die „Newe Statt“ – die Neustadt – entsteht, wahrscheinlich in den 1230er Jahren, als eigenständige Stadtgründung südlich der bereits bestehenden Altstadt Osnabrück.

Und 1254 wird die alte Stiftskirche durch einen Neubau ersetzt – die heutige Johanniskirche. Sie rückt dabei näher an den Fernweg heran, der zu dieser Zeit schon als „Große Straße“ bekannt ist.

Aber hier ist etwas Wichtiges: Die Johannisfreiheit, über die wir heute sprechen, ist nur ein kleiner Rest von dem, was sie einmal war. Die historische Johannisfreiheit reichte fast von der Kommenderiestraße im Westen bis zur Hase im Osten – von der Goldstraße im Süden bis zum Kollegienwall im Norden. Sie war für damalige Verhältnisse riesig. Grün. Und es war Kirchenbesitz.

Stell Dir das mal vor: Wo heute die Berufsbildenden Schulen am Pottgraben stehen – die Europaschule – stand einmal der Bischöfliche Martinshof. Er wurde um 1272 errichtet, direkt neben der Neuen Mühle an der Hase. Und er war kein gewöhnliches Gebäude: Ab dem 14. Jahrhundert war er der Wohn- und Amtssitz des Bischofs von Osnabrück. Der Bischof zog also von der Altstadt in die Neustadt – auf die Johannisfreiheit.

Abbruch des Bischöflichen Martinshofs, ca. 1895, NLA OS, Erw A 62, Akz 2017/67 Nr. 392.

Ansicht 2026, Berufsbildende Schulen am Pottgraben.

 

Und die Neue Mühle? Sie entstand um 1253, ebenfalls auf bischöflichem Grund, direkt an der Hase. Heute steht dort das Restaurant „The Mill – Burger und Pizza“. Direkt gegenüber, wo früher die Stadtmauer stand, befindet sich heute das Alando Palais – eine bekannte Eventlocation in Osnabrück.

Wehr der neuen Mühle mit Übergang zur Stadtbefestigung, ca. 1900, NLA OS, Erw A 62, Akz. 2017/67 Nr. 178, Auf den Bildern ist nicht die Ursprungsbebauung zu sehen.

Ansicht 2026, Brücke über die Hase mit der Neuen Mühle am rechten Bildrand.

 

Kurz innehalten: Diese Kreuzung – Johannisfreiheit, Kollegienwall, Heinrich-Heine-Straße, Pottgraben – ist heute ein Hot-Spot. An der Ecke Johannisfreiheit/Kollegienwall gibt es eine Bäckerei – und die kennen die Schülerinnen und Schüler der Europaschule sehr gut. Pausensnack, kurze Verschnaufpause, dann zurück in den Unterricht. Das Alando Palais zieht abends Hunderte an. Und das alles liegt gerade mal 120 Meter von dem Platz entfernt, über den wir in dieser Serie schreiben.

Was die wenigsten wissen: Genau hier, an dieser Kreuzung, war einmal das östliche Ende der Johannisfreiheit. Wo heute Schüler, Partygänger, Restaurantgäste und Krankenhausbesucher  aufeinandertreffen, lagen einmal Gartenanlagen, Felder und die Gebäude des Bischofs. Umgeben von Grün. Begrenzt von der Hase.

Und von dort sind es nur 120 Meter bis zur heutigen Johannisfreiheit – dem ruhigen, begrünten Weg zwischen den Krankenhäusern. Wie schön wäre es, von der Schule, mit dem Snack aus der Bäckerei einfach rüberzugehen und sich dort kurz zu erholen. Leise natürlich – denn dort befinden sich das Kinderhospital und das Hospiz. Aber genau das ist der Charakter dieses Ortes: Eine ruhige Oase, mitten im Stadttrubel. Entspannen. Ausruhen..

Nur: Künftig sollen dort 730 Busse am Tag fahren.

Zurück ins 13. Jahrhundert: Mit dem Wachstum der Neustadt verändert sich auch die Johannisfreiheit. Das Stift löst sich auf. Rund um die Kirche entstehen sogenannte Kurien – Wohn- und Verwaltungshäuser der Stiftsherren, umgeben von großen Gärten.

Eine frühe Kurie nordöstlich der Johanniskirche um 1905, im Hintergrund die Kuppel der ersten Stadthalle von Osnabrück, NLA OS, Lichtenbergarchiv.

Ansicht 2026, Die Dechanei von St. Johann.

Südlich der Kirche bleibt der Friedhof. Um ihn herum führt ein halbkreisförmiger Weg – ruhig, kein Durchgangsverkehr. Dieser Weg ist der direkte Vorläufer der heutigen Johannisfreiheit.

Die Johannisfreiheit war zu dieser Zeit kein Platz im modernen Sinne – sie war ein weitläufiger, grüner Bereich rund um die Kirche. Vergleichbar vielleicht mit einem heutigen Bischofsgarten – nur viel größer.


Darstellung: Klaus Meinert

Zusammen mit dem Kirchenbau entstehen die Kuriengebäude auf der Johannisfreiheit. Einige von Ihnen werden bis in das 20. Jahrhundert stehen. Es gibt sogar noch Fotos.

Ein sehr frühes Gebäude war die Neue Mühle. Sie war notwendig, um die wachsende Stadt zu versorgen. Nicht nur ein paar Kunden und Gäste wie im Restaurant und in der Bäckerei heute.

Die dünne rötliche Linie zeigt Grenzen der Johannisfreiheit als sie am größten war – Ihr seht, sie war viel größer als heute.

Frage zum Nachdenken:

Du kennst vielleicht das Alando Palais oder die Neue Mühle. Wusstest Du, dass dort einmal der Bischofssitz und eine mittelalterliche Mühle standen – umgeben von Ländereien und der Hase? Was macht das mit Deinem Blick auf diesen Ort?

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Nächste Woche: 1307/1348 – Zwei Städte und ein selbstbewusstes Rathaus.

💬  Mitmachen: Rund um die Johannisfreiheit passiert gerade einiges. Informier Dich – und mach mit: www.openpetition.de/!hcyhc

Was wir verlieren werden - wenn wir es nicht schützen

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